VOX 19. Okt. 98 BBC
Wunderwerk Mensch (GB 98)

Im Angesicht des Todes - Ein Kamerateam begleitet den krebskranken Herbert Möves bis zum Ende.

SPIEGEL TV: Der Film, der das Sterben eines Menschen dokumentiert wird anschließend in VOX um 23.00 mit Claudia Kratochvil diskutiert: Der öffentliche Tod - Darf das Fernsehen Sterben zeigen? Ausschnitte:

Hannelore hat am Hochzeitstag den Film zum erstenmal gesehen. Sie hat sich unheimlich gut gefühlt, meinte aber sie konnte in der Vergangenheit nicht richtig weinen. "Ich hab immer gedacht, mache Leute denken vielleicht, du hast überhaupt kein Gefühl. Aber so war das garnicht." Sie hat sich entschlossen, das Video anzuschauen - ganz alleine. "Ich kann nicht weinen, wenn andere Leute um mich herum sind, ich hab auch nicht vor gehabt, zu weinen, ich dachte, ich bin stark genug, daß durchzustehen. Ich wußte auch nicht was auf mich zukam.

"Ich hab angefangen, das Video anzugucken...und dann kam.. das war einfach...es war...es war einfach ganz furchtbar, es kam so tief, tief ganz unten raus und das war nicht einfach nur weinen, es flossen keine Tränen, es waren tiefe Schluchzer, es kam so ganz tief unten aus mir raus und da hab ich gemerkt, das ist der Durchbruch. Und ich habe geweint bis nächsten Morgens, es ist hell geworden und ich war auch garnicht im Bett...es ist einfach alles aus mir rausgeschwemmt worden. Ich denke auch, man kann vielen Menschen damit helfen, die gerade jetzt in dieser Situation sind...

Kathrin Gurth wurde vor knapp zwei Monaten diagnostiziert, daß sie tödlichen Bauchspeicheldrüsenkrebs hat.

Die Diskussionsleiterin fragt: "Wie sind Sie zunächst mit dieser Diagnose umgeghangen?" - "Ja das war erstmal die Diagnose von der Schulmedizin, die auch für mich erstmal so wie ein Urteil war und wie etwas ganz definitives: wo ich erstmal sehr geschockt war. Mir wurde auch wirklich nichts mehr in Aussicht gestellt und es wurde gesagt es ist inoperabel...ich war teil apatisch, teils hysterisch...und dann habe ich einfach so ein Trotz entwickelt und hab mir gesagt, nee, jetzt will ich mal gucken was es sonst so gibt und bin dann in die Buchhandlung und habe mir alles zum Thema geholt was Spontanheilung angeht, alternative Heilmethoden, Biografien von Patienten, die über ihren Weg geschrieben haben. ...

"Ich bin im Moment garnicht so auf Sterben eingestellt, ich setz mich schon sehr intensiv mit dem Thema auseinanderund befass mich mit dem Tod einfach aus rationalen Gründen, weilnunmal als Realität dieser fakt da ist, daß es normalerweise einen tödlichen Ausgang hat. Aber ich seh auch für mich im Moment ganz gute Chancen für mich, daß es anders verläuft. Ganz am Anfang als ich von dieser Diagnose gehört habe, war für mich das erste, was ich im Kopf hatte, der Tod meiner Tante im letzten Jahr, die an Krebs gestorben ist und wo ich auch das Endstadion mitbegleitet habe und ich das ganz grauenhaft fand...sie hatte ständig Schmerzen und dann wurde auch von den Schwestern gesagt, auch die hat ihre Morphiumdosis und die kriegt jetzt nichts mehr und ich hab mich furchtbar aufgeregt und hab gedacht, so möcht ich nie sterben, nie!"

Ulrich Wickert engagiert sich in der Sterbebegleitung und will zur Enttabuisierung des Todes beitragen. "Wenn Sie sich mit dem Thema der Begleitung des Todes befassen, lernen Sie viel natürlich für sich selber, sie lernen den Respekt vor dem Menschen auch und es ist nicht schlecht, wenn man das in der Zeit in der wir leben in einer guten Dokumentation transportiert."

 

 

 

 

 

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Zuletzt aktualisiert am: 06-Jun-2006 23:06
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