Focus: Die neuen Strategien der Spezialisten

Die Ausgabe 45/1997 bringt in der Sparte Medizin ein ausführliches Dossier über das Thema Krebs und Strahlen vom Autoren-Team Klaus Koch, Michael Simm und Ulrike Bartholomäus. Focus nennt Trends und Fakten über neue schulmedizinische Krebstherapien.Der Status quo der Krebsmedizin ist enttäuschend. Ein Durchbruch sei noch lange nicht in Sicht. Der Kampf gegen den Krebs habe sich in Köpfen der Menschen als Kampf gegen das Böse festgesetzt. Prof. Walter Gallmeier, Ärzlicher Direktor des Nürnberger Klinikums gibt zu bedenken, daß man sich zu viel auf den Kampf gegen die Krankheit als das Leben mit der Krankheit fixiere.

Der Krebs sei noch lange nicht besiegt. Man verzeichnete eine Stagnation auf hohem Niveau. Die Krebssterblichkeit in absoluten Zahlen steige in Deutschland stetig, bei Männern zwar langsamer, aber bei Frauen stagniere sie seit zwei Jahren, gibt Nikolaus Becker, federführender Autor des neuen "Krebsatlas" für Gesamtdeutschland bekannt. Brustkrebs und Lungenkrebs sind die häufigsten Krebstodursachen. In Deutschland starben 1995 28.887 Männer an Lungenkrebs und 18.646 Frauen an Brustkrebs (Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum, Epidemiologie, 1997). Man rechne damit, daß das Tumorrisiko zwar abnehmen, aber Krebs die zweithäufigste Todesursache bleiben werde. Allein 1996 erkrankten 300.000 Menschen an Krebs (Quelle: Robert-Koch-Institut)

Michael Wannenmacher

Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Die Krebsszene sei einem stetigen Gesinnungswandel unterworfen. Trotz 300 potentiellen neuen Krebsmedikamenten (z. B. Zellgifte, Antikörper, Gentherapeutika, Hormonblocker), versuche man vermehrt den Patienten zu begleiten und zu betreuen und spektakuläre Operationen und Therapien zu vermeiden. Man gebe die Hoffnung nicht auf, "aber die Fortschritte sind klein, uns allen geht es zu langsam", bekennt Gallmeier. Die weltweite Forschungswelle tappe immer noch im Dunkeln. "Die Gentherapie ist heute so weit wie die Chemotherapie in den 50er Jahren", räumt Bernd Gänsbacher, Direktor des Instituts für experimentelle Chirurgie am Klinikum rechts der Isar, ein.

Bernd Gänsbacher

Direktor des Instituts für Experimentelle Chirurgie, Klinikum Rechts der Isar

Krebs sei eine schleichende Seuche. "Selbst eine sehr hoch dosierte Chemotherapie", räumt Lothar Kranz von der Uniklinik Tübingen ein, "ist in der Regel nicht in der Lage, sämtliche Tumorzellen ein einem Patienten zu zerstören. Vor diesem Hintergrund erscheine das Immunsystem als "idealer Verbündeter", denn es baue - genau wie der Tumor - auf die Prinzipien der Evolution."Wir hoffen, durch kluge Eingriffe das schlafende Immunsystem der Patienten zu wecken", bekräftigt der Mainzer Onkologe Christoph Huber. Immuntherapien verschafften dem Patienten zwar mittelfristige Symptomlinderung, könnten jedoch nicht verhindern, daß der Tumor nach einigen Jahren wieder auftauche.

Auch die Gentechnik hätte "wenig Positives vorzuweisen", meint Bernd Gänsbacher. Von einem routinemäßigen Einsatz der Gentherapeutika in der Praxis sei man noch weit entfernt.

Christoph Ostertag

Universitätsklinikum Freiburg

Weiterhin enthüllt Focus den größten deutschen Forschungsskandal. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heildelberg verkündete, daß die Krebssterblichkeit sinke. Die Angaben beruhten jedoch auf "altersbereinigten" Daten: Ältere Menschen, die häufig an Tumoren sterben, rechneten die Forscher aus der Krebsrate "heraus", um die Zahlen in ein günstigeres Licht zu setzen. Tatsächlich steige die Krebssterblichkeitsrate beständig. Man rechne damit, daß Krebs um das Jahr 2010 die häufigste Todesursache sein werde. Focus betont jeoch, daß durch frühzeitige Umstellung des Lebensstils sich bis zu 50 Prozent der Tumore vermeiden ließen und enorme Folgekosten eingespart werden könnten. Kunstgriffe gegen den Krebs seien kein Zigarettenkonsum, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Schutz vor der Sonne, Kondome, Früherkennung und Aufklärung/Information."Von allen bekannten Risikofaktoren ist das Rauchen mit Abstand der größte Krebsverursacher", sagt Michael Wannenmacher, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg.

Inzwischen setzt man vor allem auf Schmerzlinderung und das Leben mit dem Krebs: "Viele Patienten haben gelernt mit Krebs zu leben" - berichtet Focus. Der Krebsinformationsdienst (KID) hat keinen leichten Stand, die jährlich 10.000 Anrufe kompetent zu beantworten. "Sehr oft müssen wir relativieren, was enthusiatische Wissenschaftler auf Pressekonferenzen von sich geben", bedauert Andrea Gaisser, Mitarbeiterin des KID.

"Trotz aller High-Tech-Methoden gibt es kein Recht und keine Garantie auf Heilung", bekennt Walter Gallmeier vom Klinikum Nürnberg. "Glauben Sie mir: Leben mit dem Krebs ist eine Alternative." Fazit von Christoph Ostertag, Universitätsklinikum Freiburg: "Eine Medizin, die nur noch die Überlebenstage zählt und nicht berücksichtigt, was sie dem Patienten antut, bringt uns nicht weiter."

 

Neuroradiologie Die Durchleuchtung von Hirn- und Nervensystem macht feine Blutgefäße ebenso sichtbar wie die Grenze zwischen Tumor und gesundem Gewebe.
  • Röntgen von Schädel und Wirbelsäule
  • Angiographie
  • Kathetereingriffe
  • Positronen-Emissions-Tomographie
Strahlentherapie Für örtliche begrenzte, aber schlecht zu operierende Tumoren ist die Bestrahlung oft die beste Alternative. Gezielte Strahlentechnologie zur Schonung der umliegenden Organe.
  • Prostatakrebs
  • Lungenkrebs
  • Brustkrebs
  • Hirntumoren
  • Lymphdrüsenkrebs
Neurochirurgie Auf engstem Raum operieren Neurochirurgen mit Präzisionsinstrumenten an Wucherungen in Schädel und Rückmark. Devise: "Schneiden im Gesunden". Jodoch wird zuviel gesundes Gewebe entfernt, drohen Lähmungen, Blindheit, Sprachverlust.
  • Hirndruck
  • Blutungen
  • Ausbuchtung eines Hirngefäßes
  • Hirntumoren
  • Hirnhaut- und Nervenkrebs
Onkologie und Hämatologie

Verstreut im Körper wachsende Tumoren können durch Zellgifte und Hormone gebremst und manchmal auch geheilt werden.

Bei der Stammzellentherapie verläuft eine von 50 Behandlungen tödlich.

  • Blutkrebs
  • Metastasen
  • Chemotherapie
  • Versuche mit Gen- und Immuntherapie
Radiologie Die Bilder aus dem Körper entscheiden oft über die Art der Therapie. Auch schonende "Schlüsseloperationen" sind möglich.
  • Ultraschall
  • Röntgen
  • Computertomographie
  • Kernspintomographie
  • minimalinvasive Eingriffe

 

 

Synergetik Institut
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Zuletzt aktualisiert am: 07-Jun-2006 1:36
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Kommentar:

Focus Überblick über den Status quo in der Krebsmedizin ist ernüchternd. Das High-Tech-Schnickschnack der Krebsforschung ist auf der Strecke geblieben. Hat ein Krebskranker überhaupt noch eine Chance? Die Schulmedizin mißt diese Chance in Tumorzentimetern und Überlebenstagen. Nach der Realität des Krebskranken fragt keiner. Was nützten große Worte, man konzentriere sich auf das Leben mit dem Krebs, wenn Krebspatienten mit ihrem Schickal allein gelassen werden.

Nur ein Krebskranker, der nicht die Schuld an fehlenden Medikamenten, mangelnder Techologie und Inkompetenz der Krebsspezialisten sucht, hat überhaupt eine Chance, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Die Verantwortung auf andere Instanzen abzuschieben, ist mit Sicherheit einfacher. Verantwortung für sich selbst übernehmen, heißt die Hintergründe der Krankheit zu ergründen. Was ist passiert, daß sich der Tumor entwickeln könnte? Welches Ereignis hat den Organismus so durcheinander gebracht, daß der Krebs ausbrechen konnte?

Ein Krebskranker, der gegen den Krebs angehen will, muß zu allererst einmal den Sinn des Krebes akzeptieren. Die Hintergründe der Krankheit zu beleuchten, reicht nicht aus. Man muß bereit sein, auch schrecklichste Erlebnisse noch einmal zu durchleben. Mit einem Synergetik Therapeuten als Begleiter ist das schaffbar und eine reelle Alternative zur Chemo- oder Strahlentherapie.