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| Hermann Faller, Mediziner und promovierter Psychologe, ist Oberarzt am Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg. Seine klinischen Erfahrungen in der Betreuung krebskranker Menschen und als psychoonkologischer Forscher werden in dem demnächst erscheinenden Buch "Krankheitsverarbeitung bei Krebskranken" (Hogrefe-Verlag, Göttingen) beschrieben. |
Psychologie heute: "Der Krebskranke darf auch mal depressiv und traurig sein"
Die Ausgabe April 1998 der medizinischen Fachzeitschrift 'Psychologie heute' berichtet über ein Gespräch mit dem Psychoonkologen Herrmann Faller. Im Schwerpunkt äußert sich Faller zu den Themen "fighting spirit" - dem wahren Kampfgeist gegen Krebs - und den Stand der psychologischen Krebsforschung. Faller betrachtet die psychologische Komponente der Krebsforschung eher skeptisch. Die "aktive, kämpferische Einstellung gegenüber der Krebserkrankung - der Fighting spirit -" könne zwar den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, jedoch müsse dies nicht notwendigerweise so sein.
Auch die emprischen Forschungsergebnisse zur sogenannten "Krebspersönlichkeit" seien eher "inkonsistent". Es spreche vieles dafür, daß "die unter dem Stichwort "Krebspersönlichkeit" beschriebenen Phänomene eher eine Reaktion auf die Krebsdiagnose darstellen, statt seine Ursache zu sein." - meint Faller. Man müsse Gefühle und Seelenleben des Patienten immer ernst nehmen und für eine besondere psychologische Unterstütztung bei der Krankheitsbewältigung sorgen. Der Kranke müsse selbst herausfinden, welche Form der Krankheitsverarbeitung angemessen sei. Zusätzliche alternative Behandlungsformen, gäben dem Kranken das Gefühl selbst etwas zu tun und förderten eine aktive Bewältigungsstrategie. Es sei besonders wichtig, daß man dem Kranken vermittelte, daß er auch traurig und depressiv sein dürfe und das zum Verarbeitungsprozeß dazugehöre.
Die psychologische Forschung weise gravierende Mängel auf. Neben widersprüchlichen Befunden, zeigen methodische Probleme zumindest, daß man Ergebnisse eher vorsichtig interpretiere und man an der Qualität der Forschung arbeite. Dennoch: Bewiesen sei daß "aktives Coping im Sinne eines Fighting Spirit" die Überlebenszeit bei Lungenkrebskranken verlängere, während emotionale Belastung und Depressivität die Lebenszeit verkürze. Der Fighting spirit erhöhte demnach die immunologische besonders wichtigen Killerzellen.
Trotz dieser Indizien sei es nicht ausgeschlossen, "daß die psychologische Faktoren lediglich Indikatoren des körperlichen Zustandes sind - und nicht umgekehrt die körperliche Befindlichkeit direkt beeinflussen" - so Faller. Nur durch langfristige, sogenannte "prospektive Interventionsstudien", könnten die kausalen Effekte einer Veränderung der Krankheitsbewältigung präzise überprüft werden. In jedem Fall müßte für Krebskranke spezielle psychotherapeutische Behandlungsprogramme entwickelt werden, die viel konkreteren Maße in der Akutmedizin und in der Rehabilitation eingesetzt werden sollten.
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