Psychologie heute: Krebs - Die Ängste ernster nehmen!

Barbara Geisler diskutiert in ihrem Artikel "Die Ängste ernster nehmen!" der Zeitschrift "Psychologie heute" (Ausgabe April 1999) das Thema Angst bei Krebs. In Deutschland seien zwischen 25 und 59 Prozent der Tumorpatienten psychologisch behandlungsbedürftig. 23 Prozent der krebskranken Menschen leideten unter klinisch bedeutsamen Ängsten.

Barbara Geisler bezieht sich im folgenden auf eine Krebsstudie von Peter Herschbach, Psychologe von der Poliklinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medinische Psychologie der Technischen Universität München. Herschbach fand heraus, daß Tumorpatienten weniger von Schmerzen (69 Prozent) geplagt werden als von Angst vor dem Fortschreiten ihrer Erkrankung (80 Prozent). Bei dreiviertel der Krebskranken trete Angst vor Hilflosigkeit oder Siechtum, Ängste vor dem Tod, Unruhe und innere Anspannung besonders in der Phase der Diagnosestellung auf. Im fortgeschritteten Krebsstadium entwickelten sich vermehrt Depressionen.Vor allem das veränderte Körperbild belastete Brustkrebspatientinnen und Patienten mit Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Bei Gesichts- bzw. Hauttumoren suchten Frauen um ein Drittel häufiger eine psychoonkologische Beratung auf als männliche Krebskranke.

Krebsforscher Herschbach kritisiert den sogenannten ICD-10 (International Classifikation of Deseases). Es sei fragwürdig, daß Therapeuten und Ärzte den seelischen Zustand ihrer Patienten in ein Kategoriesystem für psychisch und seelisch Kranke, einstuften. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (DAPO) habe ein weiteres Kategoriesystem erarbeitet, um die seelischen Zustände speziell für Krebskranke zu erfassen. Ziel sei, anhand eines Schlüssel - eine Art ICD für Krebskranke - für jeden Krebskranken die richtige Interventionsmaßnahme herauszuarbeiten. Nach Herschbach kümmerten sich die onkologischen Kliniken zu wenig um die Nachbehandlung von Krebspatienten. Krebskranke hätten jedoch gerade nach ihrer Behandlung Angst vor neuen Tumorbildungen oder Rückfällen. Diese "Progredienzangst" schränke die Lebensqualität vieler Krebspatienten stark ein. Herrschbachs genau zugeschnittenes Angstbewältigungstrainingstprojekt wird vom Bundesforschungsministerium und der Rentenversicherung finanziert.

 

 

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Zuletzt aktualisiert am: 05-Jun-2006 2:11
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