Psychologie heute: Krebs - Macht und Ohnmacht der Psychologen
In
der Ausgabe November 1998 der Fachzeitschrift 'Psychologie heute' diskutiert
Claudia Schmidt-Rathjens die "Heidelberger Krebsstudien" des Heidelberger
Vielforschers Professor Dr. Dr. Ronald Grossarth-Maticek, Direktor des von ihm
gegründeten ECPC, des "Europäischen Zentrums für Frieden
und Entwicklung", und des dortigen "Instituts für präventive
Medizin". Grossarth-Marticeks Theorie beruht auf den Erkenntnissen von
Hippokrates und Galen, die melancholisches Verhalten als typischen Persönlichkeitsmuster
für Krebserkrankungen einstuften.
Grossarth-Marticek hat in den "Heidelberger Krebsstudien" folgende Verhaltenstypologie herausgearbeitet:
| Typ 1: "Hemmung der ichbezogenen Expression" | Typ 4: "gesunde Selbstregulation" |
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Fazit: Gesundheit und Krankheit sind nicht schicksalshaft biologisch vorgegeben. Gesundheit ist die Folge eines bestimmten Verhaltensmusters - und als solches lernbar. |
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Grossarth-Maticek hat seine Studie mit Co-Autorenschaft zahlreicher renommierter Wissenschaftler untermauert. Dennoch wird die Studie starkt angefochten. Sie zahlreiche theoretische und methodische Unzulänglichkeiten, Unklarheiten der Datenerhebung und -analyse und unterschiedliche Publikationen seien inkonsistent dokumentiert. Außerdem ist nicht geklärt ob:
Die Autorin stellt an dieser Stelle drei mögliche Forschungmethoden vor, um diese Frage empirisch prüfen zu können.
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1. Querschnittliche, retrospektive Studien Personen mit einer bereits diagnostizierten Krebserkrankung werden hinsichtlich psychosozialer Variablen verglichen mit einer oder mehreren Kontrollgruppen ohne "malignen" Befund. Vorsicht: Unklar bleibt, ob Gruppenunterschiede vor Krankheitsbeginn ("prämorbid") oder als Folge der Erkrankung auftraten ("krankheitsreaktiv"). Problem: schwierige Interpretation |
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2. Längsschnittliche, prospektive Studien Große Stichprobe von gesunden Personen. Nach einem längeren Zeitraum werden die jeweiligen Persönlichkeitsmerkmale der zwischenzeitlich Krebserkrankten mit denjenigen der gesund gebliebenen Personen verglichen. Vorsicht: Hoher Zeit- und Kostenaufwand |
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3. Quasi-Prospektive Studien Kompromiß zwischen Quer- und Langsschnittstudien: Risikogruppe mit einem krebsverdächtigen Befund (etwa einem Knoten in der Brust) wird vor der entscheidenden diagnostischebn Maßnahme auf psychosoziale Mermale untersucht. Nach der Diagnosebestellung können Personen mit benignem ("gutartigem") und malignem Befund verglichen werden. Vorsicht: Vermutung der Patienten bezüglich der Diagnose ("Antizipation der Diagnose") muß unbedingt miterhoben werden. |
Zur Überprüfung der "Heidelberger Studien" wurde am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg ein Forschungprojekt mit insgesamt 721 Patienten der Universitätsfrauenklinik sowie der Thorxklinik Heidelberg durchgeführt. Untersucht wurde, ob sich Persönlichkeitsmerkmale tatsächlich von Patienten mit beligner von solchen mit maligner Erkrankung unterschieden. Ergebnis: Keine einzige der psychologischen Variablen erwies sich als geeignet zwischen benignen und malignen Erkrankungen zu trennen. Mit dem Erkrankungrisiko korrelierte lediglich das Alter. Fazit: Je älter die Patienten sind, desto größer ist das Risiko einer Krebserkrankung.
Die Autorin warnt davor den Einfluß psychischer Prozesse bei Krebserkrankungen zu überschätzen. Eine kranke Persönlichkeit sei nicht immer mit Krebs verknüpft, vielmehr werde die Persönlichkeit durch die Diagnose Krebs krank.
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