Psychologie heute: "Psychologische Heilungsphantasien sind eben nur das: Phantasien"

Reinhold Schwarz, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Soziologe und Psychoanalytiker, ist in Heidelberg ärztlicher Leiter des Psychosozialen Nachsorgezentrums für Tumorpatienten; viele Publikationen zum Thema, darunter "Die Krebspersönlichkeit" (Schattauer-Verlag, Stuutgart 1994)

Die Ausgabe Februar 1997 der medizinischen Fachzeitschrift "Psychologie heute" veröffentlicht ein Gespräch mit dem Krebsmediziner Reinhold Schwarz, in dem er Stellung bezieht über alternative Krebsheilungen, die "Krebspersönlichkeit" und die Bedeutung der Psychoonkologie.

Schwarz sieht die psychotherapeutinsche Begleitung von Krebspatienten absolut für notwendig. Jedoch könnten seiner Meinung nach alternative Krebsheilmethoden keinesfalls "alternativ", sondern nur komplementär eingesetzt werden. Die Neue Medizin nach Dr. Hamer sei für Krebspatienten extrem gefährlich, wie der spektakuläre Fall des krebskranken Mädchens gezeigt habe.

Die sogenannte "Krebspersönlichkeit" der Psychoonkologie sei eine klare Fehleinschätzung - so Schwarz. Den "depressiven Typ C", für den das Krebsrisiko besonders hoch sei, gäbe es nicht. "Die Depressivität hat nichts mit dem Tumor zu tun - sondern mit der Furcht davor", meint Schwarz. Das "Typ-C-Verhalten" im Sinne gelernter Hilflosigkeit und belasteter Kindheitsereignisse könnte keiner empirischen Überprüfung standhalten. Ein Krankheitsbild könne nicht mit einem bestimmten Persönlichkeitsmuster verknüpft werden, wenn die Ursachen dieser Krankheit unklar seien.

Weiterhin spricht sich Schwarz klar gegen das DHS (Dirk-Hamer-Syndrom) aus. Krebsauslöser könne keinesfalls ein schrechliches Ereignis in der Vergangenheit sein. Diese "Überlastungstheorie" schließe nur seelische Krankheitsursachen mit ein; Schwarz hingegen plädiert für ein mulikausales Verständnis.

Schwarz räumt ein, daß es psychosomatische Faktoren gebe, die Krebs fördern (z. B. Risikoverhalten, langandauernde Überlastung und chronische psychosomatisch mitbedingte Erkrankungen), jedoch seien Streß und seelische Überlastung und Erschöpfung nur unspezifische Krankheitsfaktoren."Bei der Diagnose Krebs hingegen sind zunächst gravierende psychische Folgen wesentlich", meint Schwarz. Auf der anderen Seite könne "die Bedeutung der Psychoonkologie für die Betreuung krebskranker Menschen und ihrer Angehörigen nicht hoch genug eingeschätzt werden", so Schwarz. Dennoch: Die Psychoonkologen müßten sicht bewußt sein, daß ihr Angebot in Kooperation mit der medizinischen Therapie erfolgen muß - und psychologische Heilungsphantasien als Phantasien und nicht als Realität anzusehen seien.

 

 

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Zuletzt aktualisiert am: 05-Jun-2006 2:13
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